Dr. Axel Tibor Görlich

Kiefergelenksprobleme – was der Zahnarzt tun kann?

Kiefergelenksprobleme – was der Zahnarzt tun kann
Von Dr. Axel Görlich, Zahnarzt in Berlin bei Behrendt & Partner

Das Kiefergelenk ist ein sehr häufig benutztes Gelenk des Körpers. Man benötigt es, um zu sprechen, zu kauen und zu lachen. Das kleine Gelenk hat eine große Wirkung auf das körperliche Wohlbefinden. Wenn hier Schwierigkeiten auftauchen, sind die Beschwerden und Auswirkungen immens. „Du musst dich durchbeißen“, „Mit dem Kiefer mahlen“ – das sind Sprüche und Volksweisheiten, die jeder kennt. Das Kiefergelenk ist Teil des Kauapparates und fällt daher in die medizinische Zuständigkeit des Zahnarztes. Um zu verstehen, wie sich Probleme rund um das Kiefergelenk entwickeln können, ist es erst einmal wichtig, den Grundaufbau zu verstehen. Das Kiefergelenk muss höchsten Belastungen standhalten und zugleich feinst abgestimmt sein.

Der Zahnarzt und die Kieferfunktion

Für die Diagnose durch den Zahnarzt ist es wichtig zu wissen, dass eine Kiefergelenksstörung sich hinter anderen Beschwerden, wie Kopf-, Gesichts- oder Zahnschmerzen, sogar Sehstörungen oder Ohrproblemen, verbergen kann. Fachlich wird dies eine CMD genannt, eine canio-mandibuläre Dysfunktion. Bei einer cranio-mandibulären Dysfunktion spricht man von Funktionsstörungen zwischen Ober- und Unterkiefer und den beteiligten Muskeln. Begrenzte körperliche Symptome können darauf hinwirken als aber auch größere medizinische Probleme. Kiefergelenke werden z.B. durch Verletzungen oder durch Überbeanspruchung in medizinische Mitleidenschaft gezogen: Langes, ungewohntes Kauen (typische Beispiele sind der Zustand durch fehlende Zähne, neue Zahnfüllungen, nicht passender Zahnersatz, Kiefer- oder Zahnfehlstellungen oder Veränderungen durch Arthrose – all dies kann Kiefergelenksprobleme zur Folge haben. Auch weiß man, dass seelische Probleme, wie Stress, Aggressionen, Angst oder Perfektionismus, ähnliche Probleme auslösen können. Für die tägliche Arbeit des Zahnarztes ist es wichtig, insbesondere den Zustand der Zähne, das Zusammenpassen von Ober- und Unterkiefer, also den Aufbiss (auch Okklusion genannt), zu prüfen.

Prüfungsmöglichkeiten

Bei zahnmedizinischen Untersuchungen werden die Zähne nebst Zahnfleisch, der Aufbiss und die Beweglichkeit der Kiefergelenke geprüft. Die normale Funktion der Zähne und die Empfindlichkeit zu untersuchen, gehört zur klassischen Aufgabe, die ein Zahnarzt zuerst vornimmt. Es geht um Schmerzempfindlichkeit, um die Stellung der Zähne, um den Aufbiss. Vom Aufbiss spricht man in Bezug auf die optimale Stellung zwischen Ober- und Unterkiefer, wenn die Zähne aufeinandertreffen. Wo ist der erste Zahnkontakt und wie passen die Zahnreihen bei seitlichen Verschiebungen des Kiefers? Denn verschobene Zähne können Kiefergelenksprobleme auslösen. Hat der Patient einen Kreuzbiss oder anderes? Wenn andere Ursachen für die Kiefergelenksbeschwerden ausgeschlossen werden können, kann der Zahnarzt durch eine zahnärztliche Therapie helfen. In der zahnärztlichen Behandlung unterscheidet der Fachmann reversible und irreversible Therapiemaßnahmen. Als reversible gelten die Schienenversorgung oder die medikamentöse Behandlung, während nicht reversible, z.B. Einschleifmaßnahmen oder Spangenversorgung, zu bleibenden Veränderungen des Zahnes und der Zahnstellung führen. Typische Anwendungsbereiche für die Schienenversorgung, z.B. die Knirscherschiene, die Entspannungsschiene oder die Zentrikschiene sowie die Exzentrikschiene, sind Probleme bei der Zahnstellung. Bei bestehenden größeren Problemen bei Zahnkontakten oder deutlicher Fehlbisslage kommen sog. „nicht reversible Behandlungsmaßnahmen“ zum Einsatz. Dort wird geschliffen oder der Zahn mit Spangen oder Schienen umgelagert und bleibend verändert.